Alex Conti |

Jazz Blues Fusion

Text & Fotos: Ingo Marmulla

Recklinghausen, 28.05.2017 | Kurz vor 12 Uhr treffe ich in Bad Emstal (Naturpark Habichtswald) ein. In einer neu angelegten Ferienwohnanlage treffe ich mich mit Alex Conti. In dieser idyllischen Lage wohnt er seit einiger Zeit und fühlt sich hier als ehemaliger Großstädter (Berlin / Hamburg) sichtlich wohl. Per Handy und zusätzlichem Winken während meines Hilfetelefonats werde ich zu seiner Wohnung gelotst. Er hat schon alles vorbereitet für unsere Duo-Probe...

Es war mir vor einigen Wochen gelungen, Alex Conti zu einem „Opener-Konzert“ in die Recklinghäuser Altstadtschmiede einzuladen. Zu den klassischen Jazzopenern der JazzIni kann durchaus auch mal ein Vertreter des Blues-Rock stoßen, vor allem, wenn er so deutliche Jazzanleihen aufweist, wie Alex. Für mich ist er einer der besten Bluesgitarristen auf dem Kontinent. War er doch schon mit 17 Berufsmusiker in Berlin, lebte in London und tourte mit Inga Rumpf und Atlantis durch die Staaten. Mit „Lake“ gelangte er in die Charts und tourte wiederum als Vorgruppe von Lynard Skynyrd durch Europa und die USA. Es folgten Solo-Alben und eine Zusammenarbeit mit Herwig Mitteregger. Mit der Hamburg-Blues-Band begleitete er diverse englische Rockstars. Überflüssig weitere Stationen zu erwähnen ...

Zurück zur Altstadtschiede ... Wie bereitet man ein solches Konzert in vor?

Antwort: Man fährt nach Bad Emstal. Die Band für diesen Abend steht eh:

Bernd Gremm – drm (blueserfahren), Stefan Werni (Allrounder), Thomas Hufschmidt (bluesaffiner Pianoprofessor). Aber ein persönliches Treffen eine Woche vor dem Konzert ist doch unerlässlich und eben auch spannend.

Nachdem mir Alex seine Gitarren zeigt und seinen Marshall erklärt beginnt unsere Probe, immer wieder unterbrochen von gegenseitigen Anekdötchen.

A.C. – Vielleicht sollten wir mit den einfacheren Bluesstücken beginnen. Da brauchen wir eigentlich nur die Tonart fest zu legen. „Top of the Hill“ von John Mayall.

... Wir spielen den Song und üben den zweistimmigen Gesang ...

A.C. – Ich war mal bei einem Konzert von John Mayall. Ich war noch Schüler, ging in der Pause in den Backstageraum. Er spielte damals mit Mick Taylor. Ich nahm seine spezielle Gitarre und spielte ein wenig darauf. Ich konnte nicht anders. Mayall bat mich damals gentlemanlike, nicht auf seiner Gitarre zu spielen. Er kam mir vor, wie ein Gott. Er war was Besonderes für den Blues in Europa und hatte auch Spaß an Experimenten: Mal eine Band ohne Schlagzeug, oder „Jazz Blues Fusion“ mit Blue Mitchell ... Clapton, Peter Green ... alle wichtigen Londoner Gitarristen gingen in seine Lehre.

I.M. – Wie wäre es jetzt mit „Talk to me, Baby“ von Elmore James. Ich kenne es eigentlich nur von der „Ocean Boulevard“-LP. Als ich beim Bund in Schleswig war, hab ich in der Musikbox immer „I shot the Sheriff“ gedrückt. Damals hab ich übrigens Atlantis in Rendsburg gesehen. Aber ich glaube, du warst nicht dabei. Ihr hattet doch die Wahnsinnsplatte „Atlantis Live“ raus.

A.C. – Ja. Für diese Platte bekomme ich heute noch Tantiemen. Ich werde häufig nach dieser Platte gefragt. Ich glaube, als du Atlantis gesehen hast, war ich gerade ausgestiegen, so 1975 ... Aber die Clapton-Version („I can’t hold out“) kenne ich irgendwie nicht ... Lass uns den Song in C-Dur spielen...

So geht es weiter mit den einfacheren Songs im 12er Bluesschema. Dann kommen die Instrumentals an die Reihe. Alex hat vor acht Jahren die CD „Shetar“ herausgebracht. Mit „She“ ist die Gitarre gemeint. Vier Titel sollen gespielt werden. Wir vergleichen meine Leadsheets mit den CD-Aufnahmen und legen den Ablauf fest. Diese Musik ist komplexer, da die Vocals von der Gitarre übernommen werden und der Ablauf der Kompositionen nicht mehr improvisiert werden kann: „You might need somebody“ von Randy Crawford in Eb-Moll.

I.M. – Alex, wenn man dich hört, dann hört man neben dem Blues-Idiom auch deutliche Jazz-Einflüsse.

A.C. – Ja, klar. Irgendwann hörte ich neue Aufnahmen von Miles Davis, mit John McLaughlin an der Gitarre. Miles kannte ich zwar schon mit Coltrane, aber das hier war neu. Dann gab es vor allem viele neue britische Jazzrockbands. „Soft Machine“ war für mich ein Erweckungserlebnis. Später spielte die Band mit Allan Holdsworth, da wusste ich, man muss weiter suchen, man darf nicht stehen bleiben. Es gab Bands wie „If“, „Nucleus“ oder den Gitarristen Chris Spedding etc. Die Engländer zeigten neue Wege auf. Und die neueren amerikanischen Bluesgitarristen spielten eh wesentlich mehr, als die ursprüngliche Pentatonik. Da musste man einfach mit gehen ...

Kaum möglich, in diesem kurzen Report das gesamte Gespräch wieder zu geben, obwohl das für viele Gitarristen interessant wäre. Aber das Thema Hendrix sei noch erwähnt:

I.M. – Sogar heute noch, wenn ich Hendrix auf YouTube sehe, bin ich total weg...

Leider hab ich ihn nicht live erleben dürfe. Fehmarn wäre vielleicht noch eine Möglichkeit gewesen, aber es hat halt nicht sein sollen.

A.C. – Mach dir nichts draus. Da wärest du wahrscheinlich enttäuscht gewesen!

Ich habe ihn dreimal gesehen. Das erste Mal 1967 in der „Neuen Welt“ in Berlin. Da hatte er gerade die Single „Hey Joe“ heraus. Die LP war noch gar nicht erschienen. Das hat mich umgehauen. Ein Marshallturm, spielerisch unglaublich gut, einfach unfassbar. Dann Ende 1969 im Sportpalast. Da hörte man nur noch Gitarre. Er spielte über vier Marshalltürme zu allen Seiten. Das Schlagzeug war kaum zu hören, der Bass klang wie ein einziger wummernder Ton. Trotzdem war das noch ein Erlebnis. Dann 1970, kurz vor Fehmarn. Buddy Miles war kurz vorher aus „Band of Gypsys“ ausgestiegen, Mitch Mitchell spielte wieder und Cox am Bass. Er wirkte irgendwie ausgebrannt. Ich weiß noch, dass ich mich das Konzert total gefrustet hat.

Nach unserer „Probe“ mache ich noch ein Foto für diesen Bericht und begebe mich auf den Weg ins nahe gelegene Göttingen, wo mich schon einige Jazzfreunde erwarten. U.a. gibt es da eine Jazz-Session im „Apex“. Doch bevor das am Abend passiert, schicke ich noch eine SMS an Alex: „Albert Lee war vor zwei Tagen im „Nörgelbuff“. Unglaublich! In den Siebzigern haben wir für 20 Mark in den Kellergewölben gespielt ...“

Rückmeldung A.C.– Ja, natürlich! Allein die Hamburg Blues Band hat da mindestens zehn Konzerte gespielt. Ich war immer gerne da ...