Traumzeit 2013 gerettet? Wie nun? was denn? und dann?

Duisburg, 2.11.2012 | Wie aus Duisburger JazzSzene jetzt bekannt geworden ist, wird wohl aufgrund des außergewöhnlichen Engagements, vor allem auch von Tim Isfort, die "Traumzeit" 2013 stattfinden. Der Termin für das Traumzeit-Festival 2013 steht auch schon fest. Vom 21. bis 23. Juni 2013 sollen auf fünf Bühnen nun rund 30 Bands aus Stilrichtungen wie Indie-Rock, Singer/Songwriter, Neo-Folk, Electro und Jazz zu hören sein. Wieviel Jazz da wohl übrig bleiben wird?

Verantwortlich für die Programmierung ist zukünftig ein Anderer. Neuer künstlerischer Leiter der "Traumzeit" ist Frank Jebavy, der neben seiner bisherigen kaufmännischen Leitung nun auch die künstlerische Leitung übernehmen wird. Ein geschickter Schachzug der Duisburger Kulturverantwortlichen oder nur der nächste Schritt in den kulturellen Supergau einer deutschen Großstadt? Die Zukunft wird es zeigen.

Nach dem Schock der Absage der Traumzeit 2012 zeichnete sich in den letzten Monaten - nicht zuletzt durch die Erwartungen, die sich an die Neuwahl des Duisburger Oberbürgermeisters knüpften - Hoffnung auf eine Auflösung verkrusteter Strukturen und eine allgemeine positive Neuorientierung der Duisburger Politik und damit auch der Kulturpolitik ab. Die Frage ist nun, wie sich diese neue Situation auf die Duisburger Festivals und speziell auf die Traumzeit auswirkt?

Am 24. September wurde die Verwaltung vom Rat beauftragt, im Sinne einer zukünftig weiterhin jährlichen Durchführung der beiden großen Duisburger Festivals (Akzente und Traumzeit) die bis dahin zementierten Kostenblöcke aus den bisherigen Konzeptionen aufzubrechen, ergänzende Förderungen durch Dritte im öffentlichen und privaten Sektor aktiv einzuwerben und die Möglichkeiten einer Revitalisierung, einer stärkeren bürgerschaftlichen Beteiligung und einer Konzentration bzw. stärkeren Schwerpunktsetzung der Festivals zu berücksichtigen.

Das Ergebnis: Frank Jebavy, Festivalbüroleiter der Duisburger Marketing Gesellschaft soll zukünftig allein Hauptverantwortlicher für beide Festivals sein. Also nicht nur kaufmännischer Leiter, sondern auch künstlerisch Verantwortlicher. Einen künstlerischen Leiter der Traumzeit wird es nicht mehr geben.

In diesem Sinne gibt es keinen Platz mehr für den bisherigen künstlerischen Leiter Tim Isfort. Er ist nach dem Erfinder der Traumzeit, Wilfried Schaus-Sahm, nun der zweite kreative Kopf, der dem eigenwilligen Handeln des Festivalbüros zum Opfer fällt.

Durch die Absage der Akzente für 2013 sowie einen zu erwartenden Zuschuss aus Landesmitteln für die "Traumzeit 2013" ist das Festivalbüro hervorragend finanziell ausgestattet. Allerdings wird es den Landeszuschuss ab 2014 nicht mehr geben. Dennoch sehen die Planungen vor, die "Akzente" und die "Traumzeit" wieder jährlich stattfinden zu lassen.

"Alle bisherigen Versuche uns mit Fachwissen, kreativen Vorschlägen und auch finanziell einzubringen, wurden bisher von DMG (Duisburger Marketing Gesellschaft),, Festivalbüro und Kulturdezernat zwar öffentlich begrüßt, in der Realität aber immer wieder ignoriert", so die "Traumzeitretter". "Was stattdessen folgte, war die Androhung rechtlicher Schritte, als wir offensichtlich unbequeme Fragen stellten. In einem wahrnehmbar kooperativen Klima hätte die Stadt gemeinsam mit uns eine positivere Wirkung erzielen können, sicherlich wären wir dann auch auf eine noch höhere Spenden- bzw. Förderbereitschaft gestoßen. Aus Städten wie Moers, Bochum oder Oberhausen gibt es hierzu positive Beispiele. Aber auch diejenigen, die sich im Rat der Stadt Duisburg um Verbesserungen und Transparenz bemühen, scheinen unserer Beobachtung nach mit ähnlichen Problemen wie unser Verein zu kämpfen."

Das "Angebot" von Uwe Gerstes (Geschäftsführer DMG), die Traumzeitretter mögen doch für die Traumzeit 2013 eine Auftragskomposition an Tim Isfort vergeben und aus den Spendengeldern bezahlen, halten die "Traumzeitretter" nicht für eine kreative Einbindung von vorhandener Qualität und engagiertem bürgerschaftlichen Einsatz, sondern für einen Schlag in das Gesicht des ehemaligen Festivalleiters, der sich um die Traumzeit anerkanntermaßen verdient gemacht hat, und einen Fußtritt in Richtung der Spender und ihres bisher gezeigten Engagements.

Insgesamt festzuhalten bleibt, dass im kulturellen Bereich bisher ein Aufbrechen überkommener Mechanismen nicht zu erkennen ist. Im Gegenteil - sie scheinen sogar gefestigt. Und verantwortlich für Traumzeit und Akzente ist jetzt wohl genau derjenige, dem laut eigener Aussage (Kulturausschusssitzung am 4. September) jegliche Vorstellungskraft dafür fehlt, wie beide Festivals jährlich ausreichend zu finanzieren seien, und der in den vergangenen Jahren die alleinige Berechtigung zur Akquise von Finanzen zur Durchführung der Festivals dem Kulturdezernenten zugestanden hat. Dies mit dem bekannten Ergebnis: keine Traumzeit aufgrund mangelnder eingeworbener Mittel. Wird hier der vom Festivalbüro beworbenen Biennalität entgegen dem Beschluss des Rates doch weiter der Boden bereitet?

Unter diesen Bedingungen haben die Traumzeitretter nun angekündigt, dass sie ihr Engagement für eine Veranstaltung, die aus ihrer Sicht nicht mehr Traumzeit genannt werden kann, einzustellen und den Spendern ihr Geld (ca. 25.000 €) zurückgeben oder diese, bei entsprechendem Wunsch der Spender, anderen kulturellen Projekten zur Verfügung stellen.