Musikalische Malerei | Das Franz von Chossy Quintet

Kempen, 26.9.2012 | Die Augen sind geschlossen. Der Blick suchend. Landschaften ziehen vorbei. Gedanken gehen auf die Reise. "Von den Blättern tropft Regen. Saftige Wiesen. Die Sonne durchbricht die Wolken." Ein dankbares Lächeln. "When the World Comes Home".

In der Paterskirche des Kulturforum Franziskanerkloster spielt an diesem Dienstagabend des noch jungen Herbstes das Franz von Chossy Quintett ein Amalgam aus Kammermusik, Klezmer und Modern Jazz.

Nach dem ersten Stück - Stille. Das Publikum verharrt, muss spürbar zu sich kommen. Verhaltener Applaus. Langsam erfassen die Augen den sakralen Raum. Der Altar getaucht in blaues Licht. Kammermusikalisch das nächste Stück. Wieder wissen die Augen nicht ob sie sich schliessen oder den faszinierenden Spielort durchstreifen sollen. Und dann zwingt diese elegisch anmutende Musik doch die Lider sich zu schliessen, die Gedankenreise fortzusetzen.

Musikalische Malerei. Filigran beginnend, dann mit dickem Strich. Aquarell und Öl. Auf- und abwallend. Kopfkinomusik. Franz von Chossy, Komponist dieser außergewöhnlich interpretierten Geschichte der Vertreibung aus dem Paradies, einer Suite in neun Teilen, spielt zurückhaltend, sparsam mit den Tasten und doch allgegenwärtig, in faszinierender Symbiose mit seinen Mitmusikern. Nicht er sitzt im Rampenlicht, sondern seine Mitstreiter. Ein Quintett aus einem Guss. Keiner stürmt voran. Jeder zur rechten Zeit präsent.

Gemeinsames harmonisches Spiel, kraftvolles Miteinander, wirbelnde Soli. In den kommenden Tagen treibt der Wind wieder die Blätter durch die in der Dämmerung versinkenden Straßen. Welch ein Genuss jetzt in diesem Raum zu sein und dieser Musik zu lauschen, sich wegzuträumen. Töne, die Emotionen wecken. Welch eine hohe Kunst des Franz von Chossy Quintets mit:

Franz von Chossy: Flügel
Jörg Brinkmann: Cello
Alex Simu: Klarinette
Yong Sun: Schlagzeug, Perkussion
Jeffrey Bruisma: Geige

Text & Fotos: Bernd Zimmermann