"Hamburger kann man auch hören und genießen"

Witten, 24.9.2012 | Von Hamburg nach Herdecke. Von der Autobahn auf die Bühne. Aus dem Stau in das Licht und das mit komplett eigenen Stücken. Vier junge Musiker geben das Fischer-Spangenberg-Quartett, vier junge ambitionierte Männer, deren Lebensmittelpunkt Hamburg wurde, die sich im Norden fanden, verbunden durch ihre Musik.

Für das zweite Album, quasi die Toureröffnung, kommen sie am Abend nach Herdecke in den Saal der Dörken - Stiftung. Ganz einfach und locker drauf. Die Eintrittskarte verspricht: Jazz. Jazz gibt es drinnen und draußen tropft der Herbst an die Scheiben und der Sommer fließt den Gulli runter. Dankbar mache ich es mir bequem und gedulde mich.  Welche Musik? Je nach dem, was du empfindest. Stuhlreihen, aufgelockert durch flache, weiß gedeckte Tischchen. Eine Empore gibt es auch noch, heute leider gesperrt, also bleibe ich unten und genieße einen heißen Kaffee – geht aufs Haus -  Danke!

Allmählich besetzen die kommenden Gäste ihre Plätze. Mäntel, Jacken bleiben vorerst in Benutzung. Gläserklirren – Rotwein trifft Pilsbier. Bühne in rotem Hintergrundlicht. Und da kommen die Vier. Ganz normale Typen, die du nebenan im Handyshop treffen könntest. Mütze, Piercing an der Augenbraue und Turnschuhe an den Füßen.

Beginn mit weichen Eröffnungen. Flügel und die E-Gitarre führen sanft, unaufdringlich, um wenig später dynamisch anzusteigen. Zeigen auf, wo es lang geht. Lautstärke vor der Verbindung mit einem vorläufigen klassischen Ende. Vermischung der Stile, der Empfindungen. Nicht Begrenzung; Offenheit und keine Schubladen hörbar. Hamburg, auch das musikalische Tor zur Welt? Sie haben Spaß.

Heiko Fischer schließt seine Augen und wiegt sich gefühlvoll mit seinen Einsätzen. Ja, diese Musik wird gelebt. Blicke suchen den Mitspielenden, Kontakt, Einsatz und Pause, Konzentration und Verinnerlichung. Der Bassmann, Daniel Stritzke, arbeitet sich leidenschaftlich an seinem Bass ab, orientiert sich an seinem Partner an den drums, Konrad Ulrich. Schon bewusste musikalische Basis, Hintergründlich und das Fehlen der Divenhaftigkeit.  Sie  bereiten den Boden auf dem Piano und Gitarre gedeihen, melodisch weiterentwickeln. Heiko Fischer an der Gitarre und am Piano -  an den Tasten, Christoph Spangenberg, der heute am Flügel spielen darf.  Die beiden sind es, welche bestimmen. Ein Jazz-Quartett mit mindestens zwei Teilmengen. Keine Allüren oder Extravaganzen, sie erzählen ihre Geschichten. Überraschen. Erinnerungen aus Paris  mit dem Stück „Last call…“ und von New York natürlich – „Postoffice“ – alte Tradition und viel Neues, der Wahnsinn und die Stille dieser Stadt. Madison Square Garden. Kolonialstil  und moderne Stimmungen fließen ein, Geschichten von unterwegs.

Das Gefühl stimmt, ich kann folgen und mich hineinversetzen. Spielerisch, solide, bestimmt. Die Mischung überzeugt. „Healthman“ mit einem kleinen Glas Rotwein - passt. Zum Schlusspunkt gibt es noch was lautstark auf die Ohren. Laut, ja, doch auch  die musikalisch individuelle  Stärke spürbar. Gäste, Besucher erklatschen noch eine Zugabe und dann ist Schluss.

Später stehen sie draußen, unterhalten sich noch mit den Menschen und verkaufen CD`s. Hamburger Musik, Jazz, Musik fühl- und hörbar, verbunden, unbegrenzt, offen -  Weltmusik. Keine Hemmungen alles zu spielen und ihre Projekte voranzutreiben. Leben in Musik und mit ihr in allen Stationen. Wir werden von ihnen wieder hören. Bis dann.

Daniel Stritzke, Kontrabass
Konrad Ulrich, Schlagzeug
Heiko Fischer, der Mann mit der blauen Mütze, Gitarre und Komposition
Christoph Spangenberg, Piano und Komposition, der Mann mit der grauen Mütze

Text & Fotos: Walter Jonat