„So What“ | Al Foster und Wallace Roney im domicil

Dortmund, 13.10.2012 │ Al Foster grinst. Unaufhörlich. Und der Amerikaner spielt dabei munter Schlagzeug. Die Augen hat er fast immer geschlossen und dieses sympathische, zufrieden wirkende Grinsen stets im Gesicht. Die Schlagzeuglegende bescherte dem Jazzclub „domicil“ jetzt ein ausverkauftes Haus.

Denn natürlich ist der Name Al Foster nach wie vor  sehr attraktiv. Hat der in New York aufgewachsene Autodidakt, der im kommenden Januar 70 Jahre alt wird, für  eine ganzen Riege an Jazzstars getrommelt und vor allem mehr als ein Jahrzehnt bei Miles Davis. Grund genug, den Auftritt im „domicil“ als Tributabend für seinen prominentesten ehemaligen Arbeitsgeber anzukündigen.

Mit „So What“ vom legendären Miles Davis-Album „Kind Of Blue“ aus dem Jahre 1959 startet das Konzert. Diese Nummer mit der so unverkennbaren Hookline charakterisiert den ganzen Abend, bietet sie doch wie alle folgenden, ebenfalls ziemlich langen Stücke viele Räume für die einzelnen Solisten.
Neben dem Pianisten Adam Birnbaum, dem Bassisten Douglas Weiss und dem Saxofonisten Wayne Escoffery ist das vor allem Wallace Roney, der mit seinen lang anhaltenden Tönen sehr von Miles Davis beeinflusste Trompeter und zweite Star des Abends.

Auch eine Nummer wie „Jean Pierre“, aus der späteren elektrischen Phase von Miles Davis, überführt das spielfreudige Quintett in ihren swingenden, akustischen Kontext. 

Und Al Foster, der spielt bis auf ein einziges Schlagzeugsolo am Schluss sehr gruppendienlich. Der Drummer hört tief in die Musik hinein und reagiert mit einer Vielzahl von kleinen Ideen spontan auf das, was um ihn herum passiert. Hier ein kleiner Extra-Rhythmus, dort Kreativität pur auf den Becken – so begeisterte ein herrlich swingender Al Foster mit vielen kleinen Nebenschauplätzen, die sich immer wunderbar in den Fluss der Musik eingliederten.

Text & Fotos: cg